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"Die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und der Grausamkeit dieses totalitären Regimes ist heute nach wie vor von besonderer Bedeutung. Es liegt in unserer Verantwortung, das Bewusstsein an diese menschenverachtende Epoche unserer Geschichte wach zu halten und dafür zu sorgen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Umso wichtiger ist es mir, dass Erinnerungen an die NS-Zeit nicht getilgt werden, sondern wir uns kritisch damit auseinandersetzen. Das erscheint mir gerade jetzt, wo die Schoah, der Massenmord an Millionen Menschen, noch immer infrage gestellt wird, dringender denn je", betonte Wohnbaustadtrat Vizebürgermeister Michael Ludwig anlässlich der der Präsentation der dreiteiligen Installation "[ transkription ]" beim Thury-Hof. Es handelt sich dabei um ein kritische Auseinandersetzung der Künstlerin Maria Theresia Litschauer mit einer Skulptur aus der NS-Zeit.
Während der NS-Zeit wurden die Gemeindebauten im Sinne der herrschenden totalitären Ideologie vereinnahmt. Durch Skulpturen, Reliefs und andere Applikationen an den Fassaden versuchte das Regime den Gebäuden einen "völkischen Charakter" aufzuprägen. Auch an der Außenfront des Thury-Hofes, eines Gemeindebaus im 9. Bezirk, befindet sich seit Jahrzehnten eine Plastik des Bildhauers Alfred Crepaz, deren Inschrift die NS-Tugenden Pflicht, Treue und Heroismus beschwört: "Wir bitten Dich Herrgott, laß uns niemals wankend werden und feige sein, laß uns niemals die Pflicht vergessen die wir übernommen haben" . Die Signatur von Adolf Hitler, dem Urheber des Zitats, wurde zwar nach Kriegsende entfernt, die Schrifttafel jedoch blieb bis heute erhalten. Ebenso die lebensgroße Terrakottafigur eines kraftstrotzenden Recken mit stolz erhobenem Haupt, dessen Hände ein Schwert umklammern.
Die künstlerische Auseinandersetzung von Maria Theresia Litschauer mit der Präsenz von NS-Ikonographie auf einer städtischen Wohnhausanlage zielt auf eine historisch-gesellschaftspolitische Kontextualisierung: Es geht nicht darum, Spuren der Geschichte zu beseitigen, sondern durch zusätzliche Informationen an das Schicksal der jüdischen Opfer und der Vertriebenen aus dem Thuryhof zu erinnern. Eine eckige Klammer umschließt Terrakotta-Figur und Inschrift an der Fassade des Thury-Hofs. Ein Betonband verläuft vom Fuße der Skulptur 3 Meter über den Vorplatz des Gemeindebaus auf eine Schrifttafel aus Glas zu, die eine kurze Dokumentation der Geschichte des Thury-Hofs während der Zeit des Nationalsozialismus, des Schicksals seiner jüdischen Bewohner sowie eine Interpretation der Skulptur von Alfred Crepaz trägt. Die Installation von Maria Theresia Litschauer ging als Siegerprojekt aus einem künstlerischen Wettbewerb hervor, der auf Initiative von Vizebürgermeister Dr. Michael Ludwig, ausgelobt wurde. Das Kunstwerk wurde aus Mitteln der KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien im Jahr 2010 realisiert.
Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny charakterisiert das Projekt mit den Worten: "In der künstlerischen Auseinandersetzung konnte ein Weg gefunden werden, sich mit der Vergangenheit unserer Stadt kritisch auseinanderzusetzen, ohne zu vergessen oder zu verschweigen". "Nach den `Steinen der Erinnerung? und den `Schlüssel gegen das Verbrechen? ist diese Installation ein weiteres Mahnmal am Alsergrund, das sich mit den dunklen Seiten unserer Geschichte auseinander setzt. - Eine Mahnung, zu der ich mich als Politikerin und Mensch verpflichtet fühle", so Bezirksvorsteherin Martina Malyar.
Ausführliche Infos zu allen Projekten unter: www.koer.or.at