240 MitarbeiterInnen, davon rund ein Fünftel ÄrztInnen, betreuen und behandeln bei den Psychosozialen Diensten in Wien jährlich deutlich über 10.000 PatientInnen im Rahmen von rund 150.000 Behandlungskontakten. Vor 30 Jahren wurden die Psychosozialen Dienste in Wien gegründet - und damit die Wiener Psychiatriereform eingeläutet. Damit wurde eines der in Umfang und Bedeutung größten gesundheitspolitischen Reformvorhaben der Zweiten Republik umgesetzt, ein grundsätzliches Umdenken setzte in ganz Österreich ein.
"Gerade nach den vielen Diskussionen der vergangenen Jahre gilt es klar und durchaus mit Stolz zu sagen: Die Wiener Psychiatrie funktioniert. Sie funktioniert dank ihrer guten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in PSD und KAV, die nicht nur hochprofessionell arbeiten, sondern auch das Herz am rechten Fleck haben", erklärten Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Sonja Wehsely unisono.
Österreich und damit auch Wien hatten als Folge des Faschismus - bis weit in die 1970er Jahre mit massiven personellen, strukturellen und inhaltlichen Problemen in der psychiatrischen Versorgung zu kämpfen. Vieles auf kommunalpsychiatrischer Ebene, das sich im Wien der 1920er Jahre trotz schwierigster finanzieller Situation schon in großartiger Entwicklung befunden hatte, war von den Nazis zerstört und zerbrochen worden, die ProponentInnen vertrieben, die PatientInnen vielfach ermordet. Der Auf- und Umbau der Psychiatrie nach dem Krieg erfolgte unter schwierigen Bedingungen, zumal auch Personen wie Dr. Gross nach dem Ende des NS-Regimes ihre Karriere fortsetzen konnten und weiterhin maßgeblich in den Psychiatrien Österreichs wirkten. Die Wiener Psychiatriereform markierte hier einen Schlussstrich.
Wehsely: "1979 hatte Wien 3.858 Betten in der Versorgungspsychiatrie. Vier von fünf Aufnahmen erfolgten unfreiwillig. Es wurde wenig bis keine ambulante Struktur angeboten - mit Ausnahme einiger weniger FachärztInnen mit Kassenvertrag. Heute sieht Wien anders aus. Wir haben 500 Betten in den Wiener Krankenanstalten Otto-Wagner-Spital, Donauspital, Kaiser-Franz-Josef-Spital und 145 Betten im Psychiatrischen Krankenhaus Ybbs an der Donau. Drei von vier Aufnahmen in die stationäre Psychiatrie erfolgen freiwillig. In der Psychiatrie wird Angst immer eine Rolle spielen, aber: Wer sich freiwillig aufnehmen lässt, hat jedenfalls Vertrauen in die Versorgung."
Der PSD heute
In der Gegenwart bilden die Psychosozialen Dienste Wien ein ausgebautes Netzwerk zur Versorgung psychisch kranker Menschen. Neben jeweils einem Sozialpsychiatrischen Ambulatorium in jeder der acht Wiener Versorgungsregionen stehen psychiatrischen PatientInnen eine Vielzahl spezialisierter Behandlungseinrichtungen offen, zB für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Gerontopsychiatrie, Krisenpsychiatrie sowie Psychotherapie. Darüber hinaus runden Psychosoziale Tageszentren und therapeutische Wohneinrichtungen das Angebot ab. "Die psychiatrische Versorgung ist kein Randphänomen, sie ist ein Bedarf inmitten der Gesellschaft. Die moderne Psychiatrie ist - vom Kindesalter bis in das hohe Lebensalter - den Menschen und nicht den Erkrankungen zugewandt, sie ist wertvoll und wichtig", konstatierte der neue Chefarzt des PSD, Dr. Georg Psota.
Die psychosoziale Versorgung von morgen
Für die Zukunft ist mit einem weiter wachsenden Bedarf von psychiatrisch-psychosozialen Leistungen zu rechnen, da psychiatrische Erkrankungen generell und weltweit häufiger werden. Die Stadt Wien setzt daher weiterhin auf den Ausbau der psychosozialen Versorgung. "Die Wiener Psychiatriereform wird Schritt für Schritt voran getrieben. Für dieses große und wichtige Projekt im Dienste der Wiener PatientInnen müssen viele einzelne Maßnahmen gesetzt werden - und viele Menschen und Institutionen zusammen arbeiten", wies Wehsely auf die hohe Qualität der Zusammenarbeit unterschiedlichster Versorgungsbereiche in Wien hin.